Zur Etablierung der Kunsttherapien im Kassensystem

Öffentliche Antwort auf den Artikel von Christian Hamberger und Titus D. Hamdorf
Zur aktuellen Etablierungsdynamik der Künstlerischen Therapien in
Kunst & Therapie 2011/2

Sehr geehrter Herr Hamdorf, sehr geehrter Herr Homberger,
sehr geehrte KollegInnen,

Ihr Artikel gibt in hervorragender Weise einen Überblick über die berufsrechtlichen und entwicklungstechnischen Fragen zum Berufsbild der Künstlerischen Therapien. Mich hat besonders gefreut, dass Sie sowohl auf die künstlerischen als auch psychotherapeutischen Basisqualifikationen für den Beruf hinweisen.

Schon 1987 war ich als Mitglied im damals neu gegründeten DGKT dabei als man aufbrach, um die Kunsttherapien in einem Dachverband schulenübergreifend zusammen zu bringen. Allerdings habe ich mein Hochschuldiplom auf der damals einzigen Fachhochschule in Ottersberg mit einem damals teilanthroposophischen Ansatz gemacht. Dies disqualifizierte mich aber offensichtlich für die DGKT, weshalb ich trotz andauernder Berufstätigkeit und Mitgliedschaft in einer berufspolitischen Teilhabe nicht gefragt war. Obwohl ich im Laufe der Jahre mehrere einschlägige tiefenpsychologische und psychoanalytische Weiterbildungsabschlüsse, u.a. in Psychotraumatologie und Katathymen Bilderleben (heute KIP) absolvierte, und diese seit Jahrzehnten anwende, hat sich der DGKT dauerhaft distanziert gehalten und z. B. keine Rezession zu meinem Lehrbuch (2009) geschrieben. Die anthropsophischen künstlerischen Therapien wurden von Herrn Menzen auch in seinen wissenschaftlichen Werken einfach ausgelassen. Als ich vor einigen Jahren wieder einmal meine Mitarbeit im Berufsverband anbot, lud man mich nicht zum nächsten Termin ein. Nun, da habe ich mich dann natürlich nicht aufgedrängt. Da ich seit 14 Jahren eine kunsttherapeutische Praxis und eine berufsbegleitende Weiterbildungseinrichtung führe, setze ich meine Kräfte gerne sinnvoll ein.

Als die anthroposophischen Künstlerischen Therapien 2005 kassenfähig wurden, war ich von Beginn an dabei, weil ich schon vorher eine Privatpraxis hatte. Allerdings wollte mich der anthroposophische Berufsverband BVAKT ab 2008 plötzlich nicht mehr anerkennen, wenn ich nicht ca. 500 Euro für ein Anerkennungsverfahren ausgeben würde. Ich konnte mich dagegen bei den einzelnen Krankenkassen allerdings durchsetzen. Eine Zwangszugehörigkeit lehnte ich ebenso ab wie das Graduierungsverfahren des DGKT, welches heilpädagogische KT über den Abschluss des Dipl. Kunsttherapeuten stellte.

Ich bin seit 1987 der Meinung, dass es eine schulenübergreifende Regelung für die Künstlerischen Therapien geben muss, wie dies in anderen Berufen selbstverständlich ist. Nur leider sind die anthroposophischen Verbände der Meinung, dass ich nicht anthroposophisch genug bin, und die psychoanalytischen Verbände lehnen mich wegen der angeblich rein anthroposophischen Ausrichtung ab. Als es 2010 eine Bestrebung von meiner Seite aus gab eine Arbeitgemeinschaft zu gründen, rief mich Frau Dannecker an und beschwerte sich, dass sie meine Mail gleich dreimal bekommen habe. Sie hatte nämlich unter verschiedenen anderen Namen immer wieder Infomaterial meiner Einrichtung angefordert. Es stellte sich heraus, dass fast alle namhaften Hochschullehrer des Fachs das regelmäßig tun, weil sie ihr Interesse an meiner Arbeit nicht offen zeigen wollen. Als ich Frau Dannecker meine Mitarbeit in der bestehenden Arbeitsgemeinschaft anbot, wies sie mich in überheblicher Weise ab. Meine Berufserfahrung und Kompetenz ist auch hier nicht gefragt. Stattdessen sonnt man sich in überheblicher Selbstbespiegelung.

Wenn Sie im letzten Abschnitt Ihres Artikels schreiben, dass Vertreter aus der Praxis und der Aus- und Weiterbildung gefragt seien, dann kann ich Ihnen leider nur versichern, dass der Narzissmus der Hochschullehrer und Berufsverbändler dies in keiner Weise zulässt. In der Psychotherapie gab es diese Differenzen der Schulen auch. Sie wurde mit dem Psychotherapeutengesetz von 1999 zunehmend beigelegt. Nur gab es vorher schon eine Anerkennung durch die KV. Deshalb haben es die Künstlerischen Therapien da wesentlich schwerer.

Ich selbst erlebe kein Wohlwollen von den verschieden positionierten Seiten, unterstütze zwar einen Berufverband, nur kommt da nichts zurück. Weiterhin bin ich als Pionier alleine auf dem Weg, bin in Hessen mittlerweile auf höchster Ebene mit Anträgen zur Anerkennung in der KV unterwegs. Wenn ich es dann geschafft habe, wird man wieder bei mir abschreiben und es nachmachen, natürlich ohne meinen Namen auch nur zu erwähnen. Und natürlich wird man nur unter extremer perverser Abwehr meine Weiterbildungseinrichtung in einen Weiterentwicklungs- und Anerkennungsprozess mit einbeziehen. Da versuche ich es dann erst gar nicht, und mache es lieber alleine. Denn an narzisstischem Hochmut kann man sich in sinnloser Weise völlig aufreiben.

Ich werde mich noch lange für die Kunsttherapie einsetzen, nur gibt es kein Forum, in dem die Beteiligten mit gegenseitiger Achtung und Anerkennung das gemeinsame Bestmögliche wollen. Jahrelang habe ich mich immer wieder bei Umfragen zum Berufsbild beteiligt. Auch das werde ich nur noch tun, wenn ich auch uneingeschränkt zur Berufslandschaft dazugehören darf.

Zur Diskussion um die Anerkennung und Zuordnung der Bachelor- und Masterstudiengänge mache ich den folgenden Vorschlag: Der Bachelor-Abschluss (im Sinne eines Heilhilfsberufes) reicht aus meiner Sicht für die Arbeit an einer Reha-Einrichtung, einer Klinik oder Behindertenwerkstatt aus, weil hier zusätzlich Psychologen oder Ärzte im therapeutischen Team mitarbeiten. Für die freie therapeutische (Kassen)Praxis, die in Deutschland ja zur Zeit nur mit der Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie rechtlich möglich ist, sind viel umfangreichere psychotherapeutische Kompetenzen notwendig. Der Masterstudiengang (im Sinne eines Heilberufes) wäre hier psychotherapeutisch auszurichten. Nur leider wollen ja Hochschullehrer, die selbst seltenst im Fach gearbeitet haben, die Richtlinien allein bestimmen.

Da ich seit 14 Jahren auf Fachhochschulniveau, allerdings offiziell nur auf Fachschulniveau berufsbegleitend ausbilde und meine Absolventen in Kliniken und anderen Einrichtungen als Kunsttherapeuten arbeiten, weiß ich, dass immer wieder WeiterbildungsteilnehmerInnen hierher in die Weiterbildung kommen, die schon ein abgeschlossenes Hochschulstudium als KunsttherapeutIn hinter sich haben. Sie suchen die psychotherapeutische Nachqualifikation. Neurowissenschaftlich gesehen sind wir hier mit unserer tiefenpsychologischen, traumatherapeutischen, systemischen und körpertherapeutischen Ausrichtung auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand. Nun, wer von den geschätzten Kollegen an den Spitzen der Verbände will das wissen? Es interessiert jedenfalls bisher nur heimlich.

Was die Wirksamkeitsforschung der Künstlerischen Therapieformen angeht, bietet die neurowissenschaftliche Forschung sehr gute neue Überprüfungsmöglichkeiten an, die bisher für die Künstlerischen Therapien nicht in ausreichendem Maße erfolgt sind. Wäre man sich hier einig, könnte eine groß angelegte Studie grundlegende Ergebnisse bringen. Es war immer mein Traum an einer solchen Untersuchung beteiligt zu sein. Hat irgendjemand daran ein echtes von Machtbedürfnissen unabhängiges Interesse??

Ich würde mich freuen, wenn eine echte „Community“ für die Künstlerischen Therapien entstehen würde. Und ich würde mich sehr gerne an ihr beteiligen. Nun, vielleicht können Sie ja einmal klären, was einer Zusammenarbeit eigentlich im Wege steht.

Mit freundlichem Gruß
Regula Rickert  im Februar 2012                

Auf diesen Brief an die DFKGT wurde mir bisher nicht geantwortet. Ich rufe hiermit zur Gründung einer Arbeitsgemeinschaft für Künstlerische Therapien auf, die fächerübergreifend agiert und sich unabhängig von den verschiedenen Ausrichtungen für eine Anerkennung im Krankenkassensystem einsetzt und umfassende wissenschaftliche, ideologiefreie Forschung an Hochschulen unterstützt. Hierzu könnte auch ein echter Dachverband für Künstlerische Therapien begründet werden, der einseitige Machtpolitik aufdeckt, veröffentlicht und unterbindet. Vor allem soll im Sinne eines gemeinsamen Berufsbildes ausgebildeten, tätigen Kunsttherapeuten jeder Ausrichtung grundlegende Unterstützung und Würdigung entgegengebracht werden, denn sie sind als Praktiker für die Umsetzung, den Erfolg und die Weiterentwicklung der Kunsttherapien für die Wissenschaft unersetzlich. Ihr Potential darf nicht länger ungehört verpuffen. Melden Sie sich gerne per Email, wenn Sie als KunsttherapeutIn in unsere Gründungsliste aufgenommen werden möchten.

 

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